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Amok in Winnenden     
DBSH: Schnelle Lösungen gibt es nicht
13. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag in Essen
DBSH gratuliert zum 15jährigen Bestehen der Bundesarbeitsgemeinschaft
   
   
 
 
 
 
 
DBSH
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Amok in Winnenden. Berufsverband für Soziale Arbeit: Schnelle Lösungen gibt es nicht

Aus Sicht des Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) gibt es nach dem Amoklauf keine schnellen Antworten: „Wir sind es den Opfern schuldig, Ruhe einkehren zu lassen und Raum für Trauer und Begreifen des Schrecklichen zu geben", so die 2. Vorsitzende des DBSH, Gabriele Stark-Angermeier. „Verletzte, Angehörige und Helfer brauchen langfristig gesicherte professionelle Hilfe und Unterstützung bei der Verarbeitung des Erlebten. Soziale Arbeit kann dabei Hilfe bieten." Zum menschlichen Leben gehören auch Unglücke, Tot und Trauer, ohne das man letztendlich das „Warum" und „Was wäre wenn" erklären zu können.
Gleichwohl macht es aus Sinn, Fragen zu stellen, ohne aber letztgültige Antworten zu erwarten.


Es ist unverständlich, wenn aus vermeintlich sportlichen Gründen privat großkalibrige Waffen aufbewahrt werden - die wenigsten Vereine nutzen solche Waffen. Dem Vater von Tim K. jetzt mit verantwortlich für die Tat zu erklären, weil er die Waffe nicht unter Verschluss hielt, greift zu kurz. Letztlich wird sich in kaum einer Familie Privates immer verschließen lassen. Letztlich benötigen auch die Eltern von Tim besondere Hilfe. Sie haben ihren Sohn verloren, sie müssen sich mit dem Gefühl auseinandersetzen; Entwicklungen ihres Kindes nicht in ihrer ganzen Tragweite erfahren zu haben; und sie müssen sich dem Gedenken an ihren Sohn annähern, obwohl dieser so viele Menschen getötet hat.
Gefühle von Trauer, Schuld und Hilflosigkeit werden schwer auf ihnen lasten. So schwer es auch ist, dies zuzulassen, auch die Eltern von Tim brauchen den Beistand des Gemeinwesens.

Diskutiert wird auch über die Gefahren von Internet und Computerspielen. Tatsächlich gibt es einen Zusammenhang zwischen der Nutzung dieser Medien und solchen Taten. Aus Sicht des DBSH sind aber weder Internet-Kommunikation noch Computerspiele verantwortlich für ein solches Geschehen. Vielmehr erlauben sie - oftmals verbunden mit der Entwicklung einer Suchtstruktur - das Abtauchen in „virtuelle Parallelwelten". Auf der einen Seite Unauffälligkeit, auf der anderen Seite Selbstüberschätzung und die Inszenierung einer Identität, die im realen Leben immer wieder enttäuscht wird. Solche Phänomene finden sich jedoch nicht nur im Internet, auch der Zulauf zu rechtsradikalen oder anderen gewaltbereiten Gruppen verspricht solche Parallelwelten.
Verbote würden daher die Schauplätze nur verlagern.

Zu klären ist, wie es dazu kommt, dass junge, fast immer männliche Menschen in solche Welten „abtauchen". Die Ursachen hierfür können sehr vielfältig sein: psychische Krankheiten, empfundene Minderwertigkeit, Isolation, Schwierigkeiten im Kontaktverhalten, usw.
Hier in „Wenn (kein Internet) - Dann (wäre es nicht passiert) - Schablonen" zu denken, dient lediglich der Entlastung von der selbst empfundenen Hilflosigkeit, aber es nutzt niemand weiter. Wir leben in einer Gesellschaft, die immer höhere Anforderungen stellt. Kinder und Jugendliche bei der Bewältigung diese Unübersichtlichkeit zu helfen, muss Aufgabe aller Beteiligten sein.

Fest steht nach Winnenden aber eines, so der DBSH: Keine noch so gute Schule kann eine solche Entwicklung mit Sicherheit erkennen. Die Schule hat einem feststehenden Bildungsauftrag zu folgen, im Mittelpunkt stehen Unterricht und Wissensvermittlung.

Allerdings wird auch deutlich, dass es in der Schule einer größeren Achtsamkeit gegenüber allen Kindern und Jugendlichen bedarf, psychische Probleme belasten nicht nur die auffälligen Schüler aus sozial benachteiligten Elternhäusern.
Um diese Achtsamkeit zu fördern bedarf es auch eines erheblichen Ausbaus der Schulsozialarbeit. „Eine SozialarbeiterIn für eine ganze Schule reicht bei weitem nicht aus", so der DBSH. Vielmehr muss Schulsozialarbeit nicht nur als Beratungs- und Zusatzangebot präsent, sondern fester Bestandteil in den Angeboten der einzelnen Klassen sein, etwa in der Vermittlung sozialer Kompetenzen.

Gleichwohl bleibt Schule ist für Jugendliche lediglich ein  - wenn auch zentraler - Ort, wie etwa auch Familie und Freizeit. Schule kann daher auch nicht Auffangbecken für alle Lebensbereiche sein.
„Jugendliche brauchen Orte gelingender Kommunikation", gerade auch außerhalb vorgegebener Strukturen in Schule und Familie.
Bedauerlicher weise finden viele Jugendliche für ihre Freizeit oft nicht mehr die Orte, die zu ihnen „passen". Mit Sorge hat der DBSH in der Vergangenheit immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass die offene und kommunal geförderte Jugendarbeit nicht mit neuen Entwicklungen Schritt halten konnte oder sogar im Umfang reduziert wurde. „Jugendliche benötigen, gerade dann, wenn sie selbst Probleme empfinden, niedrigschwellige und angeleitete Orte für Gespräch und Begegnung", so Gabriele Stark-Angermeier. Diese Orte müssen sich abseits von Schule und anderen formalen Strukturen bewegen. Zu einer gelungen Jugendarbeit gehören Jugendclubs, Jugendverbandsarbeit, qualifizierte Jugendarbeit der Vereine aber auch niedrigschwellige Beratungsangebote: „Der Verweis auf die therapeutischen Angebote des Gesundheitssystems hilft nicht weiter, viele Jugendliche empfinden die Therapie in einer Klinik oder einer niedergelassenen Praxis als viel zu fremd und zu weit weg von ihrem Leben". Der DBSH fordert einen flächendeckenden Ausbau niedrigschwelliger Beratungsangebote für Jugendliche.

Auch eine andere Entwicklung betrachtet der Verband mit Sorge:
Erfreulicherweise verbessert sich die Position der Mädchen in Schule und Ausbildung. Sie erreichen bessere Bildungsabschlüsse und bewegen sich in stabileren Beziehungen. Männliche Jugendliche finden mit (alten), als vermeintlich typisch männlich erkannten Verhaltensweisen immer weniger Anerkennung. Vor allem, wenn sich in Familie und privatem Umfeld keine männlichen Vorbilder finden lassen, bedarf es Alternativen in Schule und Freizeit. Aus Sicht des DBSH muss daher alles getan werden, um den Anteil von Männern in Erziehung, Bildung und Sozialer Arbeit entsprechend der demographischen Wirklichkeit zu erhöhen.

Der DBSH sieht diese Überlegungen nicht als Lösung des Problems.
Letztlich lassen sich solche Taten niemals ausschließen. Aber wir sollten das tun, was zu tun ist und worüber wir eigentlich genug wissen - dort, wo sich Gesellschaft immer weiter ausdifferenziert braucht es eine Kultur, die das Eingebunden sein im Zusammensein mit dem Anderen fördert.

Hintergrund:
Der Deutsche Berufsverband für Soziale Arbeit (DBSH) ist der größte - und international anerkannte - Berufsverband für die Praxis der Sozialen Arbeit in Deutschland. Mehr dazu unter www.dbsh.de


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13. Deutscher Kinder- und Jugendhilfetag der AGJ in Essen

Der diesjährige Deutsche Kinder- und Jugendhilfetag unter dem Motto „Gerechtes Aufwachsen ermöglichen“ fand vom 18. bis 20. Juni 2008 in Essen statt. Die AGJ war erstmalig mit einem Kinder- und Jugendhilfetag in der Metropole Ruhrgebiet zu Gast.Rückblickend auf die bisherigen  Kinder- und Jugendhilfetage wurde deutlich, dass bei der Themenauswahl und der Mottos stets der Puls der Zeit getroffen wurde. So wurden auch in diesem Jahr die jeweiligen gesellschaftspolitischen und jugendpolitischen Herausforderungen und Fragen ihrer Zeit für Kinder- und Jugendhilfe sowie für die Gesellschaft thematisiert.
Die Themenschwerpunkte im Kontext vom diesjährigen Motto waren Bildung-Integration-Teilhabe, die dieses unterstrichen.Durch zahlreiche Stände und verschiedene Projektpräsentationen, Fachforen und Workshops wurde das Gesamtspektrum der Kinder- und Jugendhilfe abgedeckt. Auch Frank Mattioli-Danker (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit und Mitglied im AGJ - Fachausschuss „Qualifizierung, Forschung Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe“) nahm an verschiedenen Workshop als Redner teil, wie zum Beispiel mit Bodo Rudolph (Jugendamt Landkreis Potsdam-Mittelmarkt und AGJ-Kollege) zum Thema „Leistungsorientierte Bezahlung in der Kinder- und Jugendhilfe“ und informierte über erste Erfahrungen mit anschaulichen,  praxisnahen Beispielen.

Fazit ist, je größer ein Unternehmen, desto schwieriger die Umsetzung, wobei die Durchführung bei den freien Trägern eher noch die Ausnahme ist. Festgestellt wurde aber auch, dass durch Leistungsorientierte Bezahlung die Wirksamkeit der sozialen Arbeit verbessert werden kann und ein erster Grundstein für den Entstehungsprozess gelegt wurde.Des Weiteren war der DBSH an folgende Veranstaltungen beteiligt und mitwirkend:
  • Wie viel Bildungs- und Integrationschancen dürfen / müssen Einrichtungen der Jugendhilfe und des Jugendstrafvollzugs bieten? Eine Diskussion mit Vertretern aus Einrichtungen der Jugendhilfe und der Justiz in Deutschland und der Schweiz;
  • Aus den Fällen Kevin und Dennis lernen: Veränderungen in Jugendämtern – aus Innen– und aus Außensicht;
  • Besucherbefragung (Säulensystem) mit verschiedenen Fragestellungen zur Praxis und Profession in der Soziale Arbeit in Kooperation mit der Kinder- und Jugendhilfe Hünenburg;






    Einsatz für den DBSH und die Hünenburg bei der Säulenbefragung: Anne Behrendt,
    Nicolé Adämmer & Christian Vakonic

   
DBSH gratuliert zum 15jährigen Bestehen
der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisämter/-referate an Hochschulen für Soziale Arbeit

DBSH positioniert sich zur Umstrukturierung der Ausbildungslandschaft und
schlägt „Schlüsselkompetenzen“ als generalisierte Standards vor

In seiner Funktion als Vorsitzender der Bundesausbildungskommission des DBSH (Deutscher Berufsverband für Soziale Arbeit e.V.) überbrachte Frank Mattioli-Danker, Bundesvorstandsmitglied und Landesvorsitzender des DBSH-Niedersachsen der Bundesarbeitsgemeinschaft der Praxisämter/-referate an Hochschulen für Soziale Arbeit die herzlichsten Glückwünsche zu deren 15jährigen Bestehen.

Darüber hinaus stellte er im Rahmen der Öffentlichen Fachtagung im November 2007 in Köln die aktuelle Position des DBSH zur gegenwärtigen Umstrukturierung der Ausbildungslandschaft – Einführung gestufter Bachelor- und Masterstudiengänge – im Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen, Erwartungen und Forderungen von Hochschulen und Praxisvertretern dar.

Direkt von den Gewerkschaftstagen des dbb aus Berlin kommend, konnte Mattioli-Danker einleitend mit Stolz verkünden, dass der Antrag des DBSH,  „Erhalt der Staatlichen Anerkennung als eigenständiger Qualifizierungsbereich“ in Verbindung mit direkter Eingruppierung in E10 TVöD [Dargestellt wurden anhand der Entgelttabelle des TVöD [gültig ab 01.10.2005 (vgl. hierzu http://www.tarifunion.dbb.de)] die Verdienstmöglichkeiten, die sich aus dieser Novellierung für Angestelltenverhältnisse ohne (=E9) und mit Staatlicher Anerkennung (=E10) ergäben.] im Anschluss an den Erwerb der staatlichen Anerkennung durch Beschlussfassung der Delegierten angenommen wurde und somit die gemeinsame Position von DBSH und dbb in den kommenden Jahren darstellen wird.

„Der DBSH begrüßt und unterstützt die Umstellung der Studiengänge auf Bachelor und Master“, unterstrich Mattioli-Danker in seinen Ausführungen, „nicht zuletzt, um die internationale Vergleichbarkeit des Studiengangs Sozialer Arbeit zu forcieren.“
Ebenfalls seitens des DBSH befürwortet wird weiterhin das System der Credit-Points, da auch dies Vergleichbarkeit gewährleistet und eine Möglichkeit eines problemlosen Wechsels des Ausbildungsortes im europäischen Kontext bereitstellt.
Neben der deutlichen Positionierung des DBSH der bundesweiten Einführung des praxisorientierten Anerkennungsjahres gilt für den Deutschen Berufsverbandes für Soziale Arbeit auch, sich in den kommenden Jahren für eine entsprechende Entlohnung dieses Qualifizierungssystems einzusetzen, was eine Eingruppierung in E10 TVöD – im Gegensatz zu Angestellten ohne staatliche Anerkennung – bedeutet.

Auch bzgl. der Frage nach grundsätzlichen Kriterien der Akkreditierung von Studiengängen, bezog der Mattioli-Danker Stellung: Durch die Bereitstellung so genannter „Schlüsselkompetenzen“ leiste der DBSH einen wesentlichen Beitrag zur Formulierung von Standards von Studiengängen, die generalisiert (ein Titel für das Studium Sozialer Arbeit) sein sollten, um der durch eine mögliche Aufsplittung in verschiedene Studiengänge und/oder –schwerpunkte gegebenen Gefahr der Entwertung des bzw. der Bachelor-Studiengänge (verschiedene Bachelor-Abschlüsse für einzelne Felder Sozialer Arbeit) entgegen zu wirken. Laut DBSH sollen die „Schlüsselkompetenzen“ die tragenden Säulen oder modulähnlichen Inhalte eines generalisierten Bachelor-Studienganges (und somit auch Maßstab vorheriger Akkreditierungen, um eben diesen Standard zu schaffen) sein, von denen es dann einzelne in einem weiterführenden, spezialisierenden Master-Studiengang zu vertiefen gilt [In diesem Zusammenhang steht ebenso die Position des DBSH, die „Schlüsselkompetenzen“ auch als qualitative Grundlage für die Bewertung von Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen zu nutzen.]:

Neben der so gebotenen Möglichkeit, die seitens des DBSH entwickelten „Schlüsselkompetenzen“ als standardisierende Bewertungsgrundlage von Studiengängen zu nutzen, beschreiben sie die besondere Kompetenz der Fachkräfte der Profession Soziale Arbeit, bieten Studierenden eine Grundlage bei der Wahl ihres Studiengangs und definieren den Kern Sozialer Arbeit.
„Mit den Schlüsselkompetenzen hat der DBSH definiert, was er unter professioneller Sozialer Arbeit versteht“, schloß Frank Mattioli-Danker seinen Vortrag.

Frank Mattioli-Danker
Vorsitzender der Bundesausbildungskommission des DBSH
Sozialwissenschaftler (MA)
Dipl.-Sozialpädagoge (BA)
 

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